Erhalt und Ausbau einer bedarfsgerechten Infrastruktur an regionalen Verkehrsflughäfen und Verkehrslandeplätzen

1. Perspektive der Großflughäfen dominiert politische Diskussion.

In Deutschland wird der Erhalt und Ausbau einer flächendeckenden. Luftverkehrsinfrastruktur derzeit kontrovers und mit unzureichender Datenbasis diskutiert. Über die „Initiative Luftverkehr für Deutschland“ dominiert die Perspektive der Großflughäfen Frankfurt/Main und München dabei die politische Diskussion um die volkswirtschaftliche Bedeutung von Flughäfen.

2. Bedarfsgerechte Luftverkehrsinfrastruktur in der Fläche ist keine Fehlallokation von Ressourcen.

Vor dem Hintergrund des Wachstums der Low-cost Verkehre und der daraus resultierenden verschärften Konkurrenzsituation für etablierte Airlines werden in einer aktuellen Studie der Deutschen Bank Research Ausbauvorhaben an Regionalflughäfen pauschalierend als Fehlallokation von Ressourcen kritisiert. Die Bewertung der Regionalflughäfen erfolgt dabei verkürzend anhand erreichter Passagierzahlen im Linienverkehr und zum Teil vorhandener betrieblicher Verluste.

3. Regionalflughäfen als bedeutsame Gewerbestandorte.

An regionalen Verkehrsflughäfen und Verkehrslandeplätzen sind luftfahrtbezogene Betriebe angesiedelt, also auf dem jeweiligen Flugplatzgelände tätige Luftfahrtunternehmen, Flugschulen, Hersteller von Luftfahrzeugen, Betriebe der Luftfahrttechnik und -wartung, Luftfahrzeughandel und Luftfahrtbedarf, luftfrachtaffine Transportunternehmen (Speditionen, Kurier-, Express- und Paketdienstleister), usw.

4. Regionale Verkehrsflughäfen und Verkehrslandeplätze als Infrastruktur für Business Aviation.

Für die Wirtschaft einer Region ist das Flugangebot an einem Regionalflughafen zur schnellen Durchführung von Geschäfts- und Dienstreisen von besonderer Bedeutung. Für individuelle Geschäftsreiseflüge steht dabei an einem Regionalflughafen mit rund 2.000 Flugplätzen in ganz Europa ein deutlich dichteres Flugplatznetz zur Verfügung, als es durch die gesamten europäischen Linienverkehre möglich ist. Für Geschäftsreisende bieten Regionalflughäfen im Vergleich zur Nutzung von Linienangeboten an den internationalen Verkehrsflughäfen eine höhere zeitliche Flexibilität durch selbst bestimmte Abflug- bzw. Ankunftszeiten, kürzere Abfertigungszeiten und den Vorteil einer selbst bestimmten Zielwahl sowie die Vermeidung zeitaufwendiger Umsteigeflüge. Sie sichern die regionale Luftverkehrsanbindung an nationale und internationale Wirtschaftszentren. Als Verkehrsstation können sie eine erhebliche ökonomische Bedeutung sowohl als Standortfaktor als auch als Wirtschaftsfaktor besitzen. Angesichts zunehmender internationaler Verflechtungen gewinnt die schnelle Erreichbarkeit entfernter Ziele künftig weiter an Bedeutung. Der Stellenwert einer vorhandenen Flugplatzinfrastruktur für die regionale Wirtschaftsentwicklung zeigt sich am konkret nachweisbaren Zusammenhang zwischen Förderbedürftigkeit und Erreichbarkeit von Regionen

5. Regionalflughäfen als Wirtschafts- und Standortfaktoren für das Umland.

Mit den an regionalen Verkehrsflughäfen und Verkehrslandeplätzen ansässigen Betrieben sind erhebliche Einkommens- und Beschäftigungseffekte für das Flughafenumland verbunden. Hinzu kommt die strukturpolitische Bedeutung für die regionale Wirtschaftsentwicklung bei der Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Betrieben sowie der Förderung des regionalen Tourismus.

6. Positive externe Effekte der flächendeckenden Luftverkehrsinfrastruktur.

Betriebswirtschaftliche Rentabilitätskriterien zur Bewertung des Erhalts und Ausbaus von regionalen Verkehrsflughäfen und Verkehrslandesplätzen greifen zu kurz. Regionalflughäfen dienen wie andere Infrastruktureinrichtungen für den Personen- und Güterverkehr der regionalen Daseinsvorsorge, also der nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Regionen. Diese positiven externen Effekte der Regionalflughäfen kann eine privater Investor nicht internalisieren. Daher ist Träger und Anteilseigner von Regionalflughäfen häufig die öffentliche Hand.

7. Regionalflughäfen erzeugen ein Steueraufkommen für die öffentliche Hand.

Bund, Ländern und Gemeinden fließen über die Leistungserstellung an den Regionalflughäfen finanzielle Mittel zu, welche die für Investitionen in die Flugplatzinfrastruktur verwendeten öffentlichen Gelder und die aus öffentlichen Haushalten zu tragenden Verluste aus der laufenden Geschäftstätigkeit der Flugplätze übersteigen.

8. Bedienung der Luftverkehrsnachfrage durch Regionalflughäfen am Ort ihres Entstehens ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

Dies gilt gerade auch im Hinblick auf die erschöpfte Umweltkapazität und den Anwohnerbelastungen im Umland von Großflughäfen wie Frankfurt/Main. Noch vor einigen Jahren hat auch die Lufthansa zur Bewältigung der stark zunehmenden Luftverkehrsnachfrage zusätzliche Flugplatzkapazitäten in der Fläche gefordert, um insbesondere ihr Drehkreuz Frankfurt/Main zu entlasten. Dem teuren Ausbau von Großflughäfen ist eine Nutzung vorhandener Kapazitäten in der Fläche vorzuziehen.